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Traktat

Academie de l'Espée (Girard Thibault d'Anvers, 1630)

Originaltitel: Academie de l'Espée

1626–1630NiederlandeLehrbuch

Französisch verfasster Leidener Druck von Gérard Thibault d'Anvers über die spanische Destreza-Schule, mit Stichen von sechzehn Meisterstechern, vollendet im August 1630.

Academie de l'Espée ist ein Fechttraktat von Gérard Thibault d'Anvers, einem gebürtigen Antwerpener, auf Französisch verfasst und in der Leidener Druckerei der Elzeviers gedruckt. Auf dem Titelblatt steht laut Wiktenauer die Jahreszahl 1626, in vielen Exemplaren handschriftlich auf 1628 korrigiert, und das Kolophon nennt August 1630. Thibault starb 1627 und erlebte die Fertigstellung des Drucks daher nicht mehr. Das Jahr 1628 ist deshalb nur eine handschriftliche Korrektur, keine gedruckte Jahreszahl. Das Werk besteht aus zwei Büchern aus gestochenen Tafeln, auf die jeweils ein erläuterndes Kapitel folgt. Das erste Buch hat 33 Tafeln, das zweite 11 Lehrtafeln und zwei allegorische Tafeln namens Emblems, die das Buch nicht erklärt. Das zweite Buch blieb beim Tod des Autors unvollendet, und die Einleitung dazu hat er laut Wiktenauer offenbar nicht geschrieben. Die Tafeln zeigen das Rapier allein sowie mit Dolch oder Schild, Zweihandschwerter und Feuerwaffen, den Kampf zu Fuß und zu Pferd. Der Hinweis an den Leser erklärt, warum viele Figuren nicht auf dem Boden stehen: Sie sind als Gemälde an den Wänden zu denken. Wiktenauer ordnet den Traktat den Schriften der Schule Verdadera Destreza zu und nennt als Einflüsse Jerónimo Sánchez de Carranza und Luis Pacheco de Narváez. Thibault lernte Destreza in Sanlúcar de Barrameda, Carranzas Heimatstadt, wo er um 1605 mit Wolle handelte. Seit 1622 lebte er in Leiden, studierte an der Universität Mathematik und beschäftigte für die Stiche sechzehn Kupferstechermeister. Das Werk ist Ludwig XIII., Moritz von Nassau, Friedrich Heinrich von Oranien und Georg Wilhelm von Brandenburg gewidmet. Eine englische Übersetzung, Academy of the Sword, veröffentlichte John Michael Greer (2006, erneut 2017).

Kampfkünste im Werk

La Verdadera DestrezaZentralHEMA

Inhalt

Die Darstellung in Academie de l'Espée geht vom Bild zum Text. Jede Tafel besteht aus einem Stich, auf den ein Kapitel folgt, das seine Bedeutung erörtert, sodass der Leser zuerst die Stellungen und Bewegungen der Fechter sieht und erst danach ihre Beschreibung in Worten. Das erste Buch mit 33 Tafeln ist abgeschlossen. Das zweite endet mit der elften Lehrtafel und einem Paar allegorischer Emblems, zu denen die Erklärung fehlt, weil der Autor das Buch nicht mehr vollenden konnte. Wiktenauer beschreibt die Destreza, die der Traktat vermittelt, als spanisches, auf dem Kreis beruhendes System des Rapierkampfes. Neben dem Rapier allein und seiner Verbindung mit Dolch und Schild erscheinen auf den Tafeln Zweihandschwerter und Feuerwaffen, und zwar im Kampf zu Fuß und zu Pferd.

Entstehung

Thibaults erster Fechtlehrer war laut Wiktenauer Lambert van Someron, der von 1564 bis 1584 in Antwerpen tätig war. Die Destreza lernte er in Sanlúcar de Barrameda kennen, wo er um 1605 als Wollhändler wirkte. Bis 1610 lebte er in Amsterdam, um 1611 gewann er in Rotterdam den ersten Preis und führte Moritz von Nassau sein System vor. 1615 trat er am Hof in Kleve auf und ließ sich 1622 in Leiden nieder, wo er vermutlich mit der Arbeit am Traktat begann. Der Druck war durch Privilegien geschützt, die Wiktenauer wie folgt aufführt: von Ludwig XIII. für neun Jahre mit Datum vom 21. Dezember 1620, von den Generalstaaten für dreißig Jahre vom 5. Juni 1627 und von Kaiser Ferdinand II. für zwölf Jahre vom 20. Mai 1630. Der Eingangsteil enthält außer den Widmungen auch lateinische Epigramme.

Ausgaben und Übersetzungen

Laut Wiktenauer erschien Academie de l'Espée bis 1800 nur einmal, in der Leidener Druckerei der Elzeviers in den Jahren 1626 bis 1630. Das in römischen Ziffern gesetzte Kolophon nennt den Druck bei den Elzeviers im August 1630. Die englische Übersetzung unter dem Titel Academy of the Sword fertigte John Michael Greer an, sie erschien 2006 bei Chivalry Bookshelf und erneut 2017 bei Aeon Books in London. Seit 2021 entsteht auf Wiktenauer eine weitere englische Übersetzung von Bruce G. Hearns, bislang unvollständig, mit einer Transkription des französischen Textes von Michael Chidester. Eine Diplomarbeit über den Traktat, Pratiques et apprentissage de l'escrime dans l'Academie de l'espée, schrieb Rémy Thomas 2022 an der Universität Lüttich, veröffentlicht wurde sie nicht.

Personen und Kampfkünste

Angaben

Form
Druck

Ausgaben

  • 1630 · FR · Academie de l'Espée · Elzeviers · Erstausgabe
  • 2006 · EN · Academy of the Sword · Chivalry Bookshelf · Übersetzung
  • 2017 · EN · Academy of the Sword · Aeon Books · Übersetzung

Weitere Titel

  • Academie de l'Espée de Girard Thibault d'Anvers (Alternativtitel, NL)
  • Academy of the Sword (Übersetzter Titel, GB)
Weitere Quellen zum Thema (2)
  1. wiktenauer.com/wiki/Gérard_Thibault_d'Anvers
  2. en.wikipedia.org/wiki/Girard_Thibault