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Hélio Gracie

Brasilianischer Meister (1913–2009), Mitbegründer des Brazilian Jiu-Jitsu, der die Techniken des Jiu-Jitsu so anpasste, dass Hebelwirkung und Position statt Kraft entschieden.

Auf einen Blick

Geburtsdatum1.10.1913
Sterbedatum29.1.2009
HerkunftslandBrasilienBrasilien
Auch bekannt alsCaxinguelê, O Caçula

Biografie

Hélio Gracie war Mitbegründer des Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ), das er mit seinen Brüdern Carlos, Oswaldo, Gastão Jr. und George schuf. Er wurde am 1. Oktober 1913 in Belém geboren und starb am 29. Januar 2009 in Petrópolis im Bundesstaat Rio de Janeiro im Alter von 95 Jahren.

Als Kind war er körperlich schwach und lernte Jiu-Jitsu durch das Beobachten des Trainings seines älteren Bruders Carlos. Laut seinem Sohn Rorion unterrichtete er zum ersten Mal mit 16 Jahren, als er in der Gracie Academy in Rio de Janeiro für Carlos einsprang, Hélio selbst gab in einem Interview im Jahr 2000 aber an, er habe erst mit zwanzig begonnen, die Stunden von Carlos zu beobachten. Die Techniken, die Carlos aus dem Umfeld von Mitsuyo Maeda übernommen hatte, veränderte er durch Versuch und Irrtum so, dass Hebelwirkung und Position statt Kraft entschieden und ein kleinerer Übender einen größeren besiegen konnte.

Wikipedia nennt eine Bilanz von 9 Siegen, 2 Niederlagen und 8 Unentschieden, ihre eigene Tabelle enthält aber auch andere Zahlen. Am 23. Oktober 1951 (einige Quellen nennen den 22. Oktober) verlor er in der zweiten Runde gegen Masahiko Kimura durch den Hebel gyaku-ude-garami, genannt Kimura-Hebel. Am 24. Mai 1955 verlor er gegen Valdemar Santana nach einem Kampf von 3 Stunden 40 bis 45 Minuten. Sein Judograd ist umstritten: Laut Kimura hatte er 1951 den 6. Dan, laut Kodokan nur den 3. Dan. Zu seinen Schülern gehörten seine Söhne Rorion, Relson, Rickson, Royler und Royce Gracie.

Es heißt, er habe den 10. Grad des roten Gürtels im BJJ gehalten, das Datum der Verleihung haben wir aber nicht gefunden. Das Magazin Black Belt erklärte ihn laut Wikipedia 1997 zum Mann des Jahres, und 2001 wurde er in die Hall of Fame des Martial Arts History Museum aufgenommen. Er war Mitglied der brasilianischen Integralistenbewegung. Laut Wikipedia beteiligte er sich 1932 mit seinen Brüdern Carlos und George an einem Überfall auf Manoel Rufino dos Santos, wurde zu 2,5 Jahren verurteilt, wurde aber dank seiner Verbindungen zu Präsident Getúlio Vargas begnadigt. Noch 10 Tage vor seinem Tod trainierte er.

Frühe Jahre

Hélio Gracie wurde am 1. Oktober 1913 in Belém im Bundesstaat Pará als jüngster der Söhne von Gastão Gracie geboren. Nach einem Bankrott zog die Familie laut BJJ Heroes 1921 nach Rio de Janeiro. Als Kind litt er laut einem akademischen Artikel von Oliveira und Pontes aus dem Jahr 2013 häufig an Ohnmachtsanfällen, und ein Arzt verbot ihm körperliche Anstrengung, deshalb lernte er Jiu-Jitsu hauptsächlich durch das Beobachten der Stunden seines Bruders Carlos. Er war etwa 175 Zentimeter groß und wog um die sechzig Kilogramm.

Wann er zu unterrichten begann, wird in den Quellen unterschiedlich angegeben. Sein Sohn Rorion erzählt, er sei mit sechzehn Jahren für den abwesenden Carlos eingesprungen, und ein Schüler, der Bankier Mario Brant, habe dann bei ihm weitermachen wollen. Hélio selbst gab in einem Interview vom April 2000 an, er habe mit zwanzig Jahren begonnen, die Stunden von Carlos zu beobachten, und die Theorie nach etwa achtzehn Monaten gekannt.

Ausbildung und Lehrer

Hélio war kein Schüler von Mitsuyo Maeda. Sein Bruder Carlos lernte ab 1917 in Belém Jiu-Jitsu, laut Familientradition bei Maeda, laut dem Forscher Sonny Brown bei Maedas Schüler Jacyntho Ferro, und brachte es dann Verwandten bei. Wegen seiner schwachen Konstitution wurde Hélio vom freien Sparring ausgeschlossen, studierte die Technik von der Seite und sparrte laut BJJ Heroes heimlich mit seinen Brüdern, bis Carlos ihn in den regulären Unterricht aufnahm. Laut Wikipedia lernte er auch Catch-Ringen bei Orlando Dudú da Silva, den er im Februar 1935 besiegte.

Die Grade sind umstritten. Im Judo hielt Kimura ihn für einen 6. Dan, der Kodokan verzeichnete laut Robert Hill den 3. Dan, und laut dem Magazin Graciemag verlieh ihm eine japanische Delegation später den 4. Dan. Im BJJ wird der 10. Grad des roten Gürtels genannt, das Datum der Verleihung nennt aber keine Quelle.

Beitrag und Neuerungen

Laut seinem Sohn Rorion erfand Hélio die Techniken nicht, sondern veränderte das japanische Jiu-Jitsu durch Versuch und Irrtum so, dass es auch schwächere Menschen beherrschen konnten. Nachdem er in den Unterricht eingestiegen war, hörte Carlos auf zu unterrichten und widmete sich der Diät und der Führung seiner Brüder. Die Brüder forderten Gegner in Zeitungen und auf Plakaten heraus und gewannen so Kämpfer und Schüler für die Akademie an der Avenida Rio Branco, die laut einem akademischen Artikel etwa sechshundert Schüler hatte.

1950 veranstaltete er mit Hilfe von Carlos den ersten Campeonato Carioca, die Meisterschaft des Bundesstaats Rio de Janeiro, die Carlson Gracie gewann. Mitte der achtziger Jahre entstand mit Rickson die Akademie Gracie Humaitá. Laut Wikipedia erschien 2006 das Buch Gracie Jiu-Jitsu: The Master Text, das er mit Thomas De Soto schrieb.

Philosophie und Prinzipien

Hélio behauptete laut einem Interview vom April 2000, sein Jiu-Jitsu sei nicht für Wettkämpfe bestimmt, sondern für die persönliche Sicherheit, und er kritisierte Zeitlimits und die Punktewertung in den Regeln. Sein Sohn Rorion erinnert sich, dass Hélio vor seinem Tod betonte, ein Schüler solle zuerst lernen, sich auf der Straße nicht überraschen zu lassen, und sich erst dann auf Turniere vorbereiten. Graciemag zitiert seine Bemerkung zu den Siegesfeiern der UFC-Kämpfer am Zaun, ob sie etwa erwartet hätten zu verlieren.

Legenden und belegte Fakten

Die verbreitete Vorstellung, Hélio habe das Brazilian Jiu-Jitsu selbst erfunden, entspricht nicht den Quellen. Die Grundlage brachte Carlos aus dem Umfeld von Mitsuyo Maeda in die Familie, und Hélio war laut seinem eigenen Sohn Rorion derjenige, der die Techniken vervollkommnete, nicht erfand.

Über den Kampf gegen Kimura vom 23. Oktober 1951 kursieren zwei Versionen. Kimura schreibt in seiner Autobiografie, er habe Hélio den Arm gebrochen, Graciemag, ein mit der Familie Gracie verbundenes Magazin, bestreitet das unter Verweis auf zeitgenössische Berichte. Der Kampf endete in der zweiten Runde mit dem Hebel gyaku-ude-garami, als Carlos das Handtuch warf und Hélio selbst nicht aufgab. Der Kampf mit seinem früheren Schüler Valdemar Santana am 24. Mai 1955 dauerte laut verschiedenen Quellen 3 Stunden 40 bis 45 Minuten.

Die oft genannte Bilanz von 9 Siegen, 2 Niederlagen und 8 Unentschieden ist unsicher, weil auch Wikipedia im selben Artikel andere Zahlen nennt. Der Kampf gegen Fred Ebert aus dem Jahr 1932 wird oft als vale tudo bezeichnet, laut Wikipedia handelte es sich um einen Grappling-Kampf, den die Polizei nach einer Stunde und vierzig Minuten abbrach.

Vermächtnis

Nach 1955 widmete er sich dem Unterricht seiner Söhne und Neffen, darunter Rorion, Relson, Rickson, Royler und Royce sowie die Söhne von Carlos, Carlson, Rolls und Carlinhos. Rorion brachte das Gracie Jiu-Jitsu in die Vereinigten Staaten, und Royce machte es mit seinen Siegen in der UFC bekannt. Gracie Humaitá besteht in Rio bis heute fort, seit 2010 unter der Leitung von Rolker Gracie.

Hélio starb am 29. Januar 2009 in Itaipava bei Petrópolis im Alter von 95 Jahren und unterrichtete laut Wikipedia noch zehn Tage zuvor. Das Magazin Black Belt erklärte ihn laut Wikipedia 1997 zum Mann des Jahres, und 2001 wurde er in die Hall of Fame des Martial Arts History Museum aufgenommen.

Lehrer, Schüler und Familie

Lehrer
Schüler

Assoziierte Kampfkünste

Brasilianisches Jiu-JitsuGründer→

Brasilianische Bodenkampfkunst auf Basis von Hebeln und Würgetechniken; sie erlaubt es, einen stärkeren Gegner durch Technik zu kontrollieren.

Gracie Jiu-JitsuGründer→

Der Familienzweig des brasilianischen Jiu-Jitsu der Familie Gracie. Er betont Selbstverteidigung und das Überleben aus der Unterlage, nicht nur den Sportkampf.

Grade und Titel

  • 10. gürtelRed belt · Brasilianisches Jiu-Jitsu

Erfolge und Auszeichnungen

  • Black Belt Man of the YearProfititel · 1997
  • Martial Arts History Museum Hall of FameRuhmeshalle · 2001

Zitate

Hat er etwa gedacht, er würde verlieren?

Did he think he was gonna lose?

Zugeschrieben

Filmografie

Eine Filmrolle bedeutet nicht, dass die Person die Kunst tatsächlich betreibt — das steht oben.

Choke1999

Über die Person · Gracie Jiu-Jitsu (übt die kunst selbst aus)