ImpakuImpaku

Hans Talhoffer

Schwäbischer Fechtmeister des 15. Jahrhunderts (belegt 1433–1467), Autor illustrierter Handschriften über Ringen, Langschwert, Rüstungskampf und gerichtliche Zweikämpfe.

Auf einen Blick

HerkunftslandDeutschlandDeutschland
BerufSoldat

Biografie

Hans Talhoffer war ein schwäbischer Fechtmeister des 15. Jahrhunderts, belegt von 1433 bis 1467, und Autor mehrerer illustrierter Fechthandschriften. Die englische Wikipedia setzt seine Geburt in die Jahre 1410 bis 1415 und seinen Tod nach 1482, Wiktenauer nennt diese Daten nicht.

1433 vertrat er den Salzburger Erzbischof Johann II. von Reisberg vor dem Femegericht. 1434 wurde er im Prozess gegen Jacob Auer verhört und gestand, dass er für eine Entführung angeheuert wurde. Wiktenauer beschreibt ihn als gebildeten Mann mit Interesse an Astrologie und Mathematik. Seine Lehrer kennen wir nicht, seine Schriften zeigen jedoch eine Verbindung zur Liechtenauer-Tradition.

Die Handschrift MS Chart.A.558 von etwa 1448 ist eine von Talhoffer gekaufte Anthologie. Der Königsegg-Codex entstand in den Jahren 1446 bis 1459, und 1459 vollendete er das persönliche Handbuch MS Thott.290.2º, heute in der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen. Die letzte Handschrift, Cod.icon. 394a von 1467, entstand für Eberhard von Württemberg. Die Handschriften beschreiben das Ringen, den Dolch, das lange Schwert, den Kampf in Rüstung und zu Pferd sowie den gerichtlichen Zweikampf mit dem Setzschild.

Talhoffers Schriften wurden vom 15. bis zum 19. Jahrhundert abgeschrieben, mehr als ein Dutzend ist erhalten. Die Behauptung, er sei Mitglied der Marxbrüder-Bruderschaft gewesen, lässt sich nicht belegen, da die Bruderschaft erst ab 1474 belegt ist. Ein Zitat mit belegter Urheberschaft Talhoffers haben wir nicht gefunden.

Frühe Jahre

Die englische Wikipedia nennt seine Geburt um die Jahre 1410 bis 1415 in Schwaben und seinen Tod nach 1482, Wiktenauer nennt diese Daten nicht, und auch wir haben sie in keiner besseren Quelle gefunden. Wiktenauer beschreibt ihn als gebildeten Mann, der sich für Astrologie, Mathematik und Onomastik interessierte. Um das Jahr 1437 wird er als Verwalter (Kastner) in Hohenburg im Dienst des Salzburger Erzbischofs erwähnt.

Ausbildung und Lehrer

Talhoffers kämpferische Herkunft ist laut Wiktenauer unbekannt, seine Schriften zeigen jedoch eine gewisse Verbindung zur Tradition Johannes Liechtenauers. Sein Name fehlt in der von Paulus Kal erstellten Liste der Gesellschaft Liechtenauers, und Wiktenauer hält es deshalb für wahrscheinlicher, dass er sich diesem Kreis nicht angeschlossen hat. Zürcher Aufzeichnungen aus dem Jahr 1454 erwähnen einen Meister Hans, vielleicht Talhoffer, der mit dem Fechtunterricht und der Entscheidung gerichtlicher Zweikämpfe betraut war.

Beitrag und Neuerungen

Im Jahr 1433 vertrat er den Salzburger Erzbischof Johann II. von Reisberg vor dem Femegericht. Die Handschrift MS Chart.A.558 ist laut Wiktenauer eine Anthologie aus der Zeit um 1448, die Talhoffer kaufte, und ihr Fechtteil ist fast ohne Text. Der Königsegg-Codex MS XIX.17-3 entstand in den Jahren 1446 bis 1459 und zeigt einen gerichtlichen Zweikampf für Luithold von Königsegg, der wahrscheinlich nie stattfand. Die Handschrift MS 78.A.15 aus den fünfziger Jahren des 15. Jahrhunderts entstand für die Brüder David und Buppellin vom Stain. Das persönliche Handbuch MS Thott.290.2º von 1459 schrieb laut der englischen Wikipedia Michel Rotwyler, und Clauss Pflieger illustrierte es. Die Handschrift Cod.icon. 394a von 1467 entstand für Eberhard von Württemberg, der dafür 10 Gulden und Getreide bezahlte.

Legenden und belegte Fakten

Die Behauptung, er sei wegen des Löwen des heiligen Markus in seinem Wappen von 1459 Mitglied oder Gründer der Bruderschaft der Marxbrüder gewesen, lässt sich nicht belegen, da die Bruderschaft erst ab 1474 belegt ist. Die Gleichsetzung des Meisters Hans, der 1455 Mahiot Coquel auf einen gerichtlichen Zweikampf vorbereitete, mit Talhoffer ist laut Wiktenauer ohne Quellenangabe. Die Datierung der Handschrift MS Chart.A.558 weicht ab, Wiktenauer nennt das Jahr 1448, die englische Wikipedia und Hergsell 1443. Wiktenauer nennt als Auftraggeber Eberhard V., die Wikipedia Eberhard I., wir vermuten, dass es sich um dieselbe Person handelt, zuerst Graf und später erster Herzog von Württemberg.

Vermächtnis

Talhoffers Schriften wurden laut Wiktenauer in jedem Jahrhundert vom 15. bis zum 19. abgeschrieben, und es gibt mehr als ein Dutzend Handschriften, darunter den Ambraser Codex aus den Jahren 1480 bis 1500 und die Münchner Abschriften Cod.icon. 394 und 395 aus der Zeit um 1820. Faksimiles seiner Handschriften gab in den Jahren 1887 bis 1894 Gustav Hergsell auf Deutsch und Französisch heraus. Im Jahr 1434 wurde er im Nürnberger Prozess gegen Jacob Auer, der des Mordes angeklagt war, verhört und gestand, dass er für die Entführung Hans von Villenbachs angeworben worden war.

Werke und Quellen

Talhoffer Fechtbuch (MS Chart.A.558)· autorTalhoffer Fechtbücher (Hans Talhoffer, 1448–1467)· autor