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Handschrift

Talhoffer Fechtbücher (Hans Talhoffer, 1448–1467)

Originaltitel: Talhoffer Fechtbuch

1448–1467DeutschlandLehrbuch

Vier originale illustrierte Handschriften des Fechtmeisters Hans Talhoffer aus der Zeit um 1448–1467 über Schwert, Dolch, Messer, Speer, Ringen und gerichtlichen Zweikampf.

Das Talhoffer Fechtbuch ist kein einzelner Kodex, sondern eine Gruppe illustrierter Handschriften, die mit dem Namen Hans Talhoffers verbunden sind, eines Fechtmeisters, der in den Quellen zwischen 1433 und 1467 belegt ist. Als Talhoffers originale Handschriften, auf die spätere Abschriften zurückgehen, gelten vier: die Gothaer Chart.A.558 aus der Zeit um 1448, die Handschrift XIX.17-3 aus der Privatsammlung des Hauses Königsegg-Aulendorf (1446–1459), die Kopenhagener Thott 290 2º von 1459 und die Münchner Cod.icon. 394a von 1467, Talhoffers letztes Werk. Alle sind in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst. Die Handschriften behandeln den Kampf mit Buckler, Armbrust, Dolch, Messer, Langschild, Streitkolben, Poleaxe, Speer und Schwert sowie das Ringen, in Rüstung und ohne sie, zu Fuß und zu Pferde. Die Unterweisung zielt auf drei Situationen: das Turnier, den förmlichen gerichtlichen Zweikampf und die Selbstverteidigung in der Stadt. Der Aufbau unterscheidet sich von Handschrift zu Handschrift. Die Gothaer verbindet Talhoffers Stoff mit Hartliebs Schrift und Liechtenauers Versen, die Kopenhagener mit Liechtenauer und Kyeser, die Münchner behandelt als einzige ausführlich das Fechten mit dem Langschwert ohne Rüstung. An die vier schließen sich abgeleitete Handschriften an, darunter MS 78.A.15 aus den fünfziger Jahren des 15. Jahrhunderts, eine erweiterte Fassung der Königsegger Handschrift, die Wolfenbütteler Cod.Guelf.78.2 Aug.2º aus den Jahren 1465–1480, die Handschrift KK5342 aus der Ambraser Sammlung (1480–1500) und Abschriften aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Obwohl sowohl die Gothaer als auch die Kopenhagener Handschrift Liechtenauers Lehre enthalten, fehlt Talhoffer im Verzeichnis der Gesellschaft Liechtenauers, das Paulus Kal zusammengestellt hat. In Faksimile erscheinen seine Handschriften seit 1887.

Kampfkünste im Werk

Deutsche FechtschuleZentralRingen (mittelalterlich)ZentralHEMA

Inhalt

Am ausführlichsten ist der Inhalt der Handschrift XIX.17-3 beschrieben: Kampf in Rüstung (Blätter 2r–9r), Vorbereitung des gerichtlichen Zweikampfs Luitholds von Königsegg (9v–24r), Dolch (25r–45r), Ringen (45v–49v) und Speer (50r–61r). Die Gothaer Chart.A.558 enthält neben Talhoffers Stoff den Text Hartliebs und Liechtenauers, den Kampf mit dem Langschild, das kurze Schwert, die Poleaxe, den Dolch, das Ringen einschließlich des Ringens Otto Juds und ein anonymes Kriegsbuch. Die Kopenhagener Thott 290 2º verbindet Liechtenauer mit Kyeser und trägt auf den letzten zehn Blättern einen verkehrt herum geschriebenen Text über Esoterik. Die Münchner Cod.icon. 394a ist die einzige, die das Fechten mit dem Langschwert ohne Rüstung ausführlich behandelt.

Entstehung

Die Gothaer Handschrift Chart.A.558 hat 151 Blätter im Format 215 × 290 mm, geschrieben in Bastarda, und entstand 1448 oder später. Auf Blatt 1r trägt sie ein getilgtes Besitzzeichen. Die Handschrift XIX.17-3 mit 73 Blättern (230 × 305 mm) entstand zwischen 1446 und 1459 und blieb seither offenbar im Besitz des Hauses Königsegg in Königseggwald. Die Kopenhagener Thott 290 2º von 1459 hat 150 Papierblätter in Pergamenteinband, geschrieben hat sie Michel Rotwyler, die Illustrationen werden mit Fragezeichen Clauss Pflieger zugeschrieben, später gehörte sie Otto Thott (1703–1785). Die Münchner Cod.icon. 394a mit 137 Pergamentblättern entstand 1467 für Graf Eberhard von Württemberg, der dafür laut Wiktenauer 10 Gulden in Gold sowie Roggen und Hafer bezahlte.

Urheberschaft

Talhoffers Anteil an der Gothaer Handschrift ist nicht sicher: Nach Forschern, auf die sich Wiktenauer beruft, könnte er eine fertige oder angefangene Handschrift gekauft haben. Eine Datierung dieser Handschrift auf 1443 konnten wir in den Quellen nicht belegen, Wiktenauer setzt sie um 1448 oder später an. An einer Stelle spricht Wiktenauer von fünf Talhoffer zugeschriebenen Handschriften, nennt unter den originalen jedoch nur vier, und die fünfte konnten wir nicht bestimmen. Die späte Abschrift MS 26.236 aus dem 17. Jahrhundert wird in New York aufbewahrt. Die Vermutung, Talhoffer habe zur Bruderschaft der Marxbrüder gehört, stützt sich nur auf den Löwen des heiligen Markus in seinem Wappen, die Bruderschaft ist dabei erst seit 1474 belegt.

Personen und Kampfkünste

  • Hans TalhofferAutor
  • Michel RotwylerMitautor
  • Clauss PfliegerIllustrator
  • Eberhard V. von WürttembergAuftraggeber
  • Luithold von KönigseggAuftraggeber

Angaben

Form
Handschrift
Aufbewahrungsort
Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha / Privatsammlung Königsegg-Aulendorf, Königseggwald / Det Kongelige Bibliotek, København / Bayerische Staatsbibliothek, München
Signatur
MS Chart.A.558 / MS XIX.17-3 / MS Thott.290.2º / Cod.icon. 394a
Material
Papier und Pergament

Ausgaben

  • 1887 · DE · Erstausgabe
  • 2000 · EN · Greenhill Books · Übersetzung
  • 2010 · DE · Der Königsegger Codex
  • 2018 · EN · Greenhill Books · Übersetzung
Weitere Quellen zum Thema (5)
  1. wiktenauer.com/wiki/Talhoffer_Fechtbuch_(MS_XIX.17-3)
  2. wiktenauer.com/wiki/Talhoffer_Fechtbuch_(MS_Chart.A.558)
  3. wiktenauer.com/wiki/Talhoffer_Fechtbuch_(MS_Thott.290.2º)
  4. wiktenauer.com/wiki/Talhoffer_Fechtbuch_(Cod.icon._394a)
  5. wiktenauer.com/wiki/Hans_Talhoffer