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Moraingy

Madagassischer Kampf mit bloßen Fäusten, der laut Presse an der Westküste entstand. Heute ist er im Norden und Nordwesten der Insel weit verbreitet, vor allem bei den Sakalava.

Wichtige Daten

HerkunftslandMadagaskar
RegionAfrika
HauptfokusSchlagtechnik
KontaktstufeVollkontakt
GürtelsystemKeine Graduierungen

Charakter & Herkunft

StatusLebendig, informell
LinieVolkstümlich
Entstehungszeit19. Jahrhundert

Training

BekleidungShorts und Schützer
SparringVollkontakt
Rolle der WaffenOhne Waffen
Rolle der FormenOhne Formen

Für wen

KinderprogrammeKindergruppen üblich
SeniorenfreundlichFür Senioren nicht geeignet
Körperliche Anforderung4/5
Verletzungsrisiko4/5
Übertrag auf Selbstverteidigung3/5
Konditioneller Nutzen4/5
Wie wir die Skalen bewerten →

Organisation & Wettkampf

GraduierungenNein
WettkampfformatVollkontakt
GewichtsklassenNein
Olympischer StatusNicht olympisch
Geschätzte Praktizierende10 000–100 000

Woraus der Stil besteht

Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.

HandschlägeZentral
TritteAm Rande
WürfeNicht verwendet
BodenkampfNicht verwendet
Hebel & HaltegriffeNicht verwendet
WaffenNicht verwendet

Über Moraingy

Moraingy (auch morengy) ist ein madagassischer Kampf mit bloßen Fäusten. Nach der Agentur Reuters (2025) tauchte er im 17. Jahrhundert an der Westküste als Kriegsausbildung und Initiationsritual auf. RFI gab im selben Jahr an, dass er bis heute im Norden und Nordwesten der Insel bei den Sakalava weit verbreitet ist. Der Historiker Sudel Fuma beschreibt ihn als rituellen Kampf der Männlichkeit bei Feiern und Beschneidungen. Der Kämpfer tritt nach Fuma aus der Menge und fordert einen Gegner heraus, während Musiker auf Trommeln spielen. Gekämpft wird barfuß, und die Hände werden nach Reuters mit Stoff umwickelt. Ob getreten werden darf, darüber gehen die Quellen auseinander: Nach Fuma werden auf Madagaskar die Beine nicht benutzt, im Norden unterscheidet man nach einem von Reuters zitierten Zuschauer moraingy watsa ohne Tritte und moraingy mit Tritten. Moraingy ist nach der madagassischen Tageszeitung L'Express seit 2015 im nationalen Register des immateriellen Kulturerbes eingetragen. In der Region Diana wird nach derselben Zeitung heute in drei Runden zu je dreißig Sekunden mit Kampfrichtern geboxt, und es entstehen Ligen.

Geschichte

Sudel Fuma schreibt auf dem Portal des Museums Villèle auf Réunion, Moraingy sei im 17. Jahrhundert eine auf ganz Madagaskar verbreitete Kampfkunst gewesen, besonders zur Zeit des Königs, den er Andrianapoimerina schreibt, als rituelles Kräftemessen der Männlichkeit bei Feiern und Beschneidungen. Reuters berichtete 2025, Moraingy reiche ins 17. Jahrhundert zurück und sei an der Westküste Madagaskars als Kriegstraining und Initiationsritual entstanden. RFI schrieb im selben Jahr, es sei seit dem 17. Jahrhundert an der Westküste aufgetaucht und werde bis heute im Norden und Nordwesten der Insel bei den Sakalava als Erbe von Initiationszeremonien rege gepflegt. Die englische Wikipedia verortet die Entstehung unter Berufung auf Culture Trip in die Zeit der Maroseranana-Dynastie des Sakalava-Königreichs. Africanews beschrieb Moraingy 2016 als jahrhundertealtes Reiferitual junger Männer.

Was es unterscheidet

Fuma schreibt, der Name des Moring auf Réunion stamme vom madagassischen Moraingy, und der gemeinsame einleitende Aufruf auf Madagaskar, den Komoren und Réunion belege einen gemeinsamen Ursprung. Das Moring auf Réunion wurde laut ihm im 18. und 19. Jahrhundert heimlich auf Kaffee- und Zuckerrohrplantagen ausgeübt und verschwand in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Im neueren Moring sind laut Fuma Tritte wesentlich und Faustschläge verboten. Auf den Komoren und Mayotte wurden die Formen namens mrengue oder mouringue laut ihm mit echten Schlägen ausgetragen, am Abend, und konnten die ganze Nacht dauern. Die französische Wikipedia gibt an, das heutige Moringue auf Réunion sei 1996 entstanden. Die englische Wikipedia nennt unter Berufung auf Assunção die Namen mrenge (Komoren), morengy (Madagaskar) und moringue (Réunion) und hält mrenge für die älteste Form.

Technik

Laut Fuma setzen Kämpfer auf Madagaskar die Beine nicht ein und dürfen empfindliche Stellen nicht treffen. Reuters zitierte 2025 einen Zuschauer, wonach junge Leute aus dem Norden zwischen Moraingy watsa, einem Kampf ohne Tritte, und ihrem eigenen Moraingy mit Tritten unterscheiden. Africanews berichtete 2016, in manchen Fällen seien Tritte und Kopfstöße erlaubt. Laut Reuters kämpfen die Kämpfer barfuß und wickeln sich Stoff um die Hände, der kaum dämpft, aber vor allem die Handknochen festigt und vor Rissverletzungen schützt. Die englische Wikipedia nennt unter Berufung auf Ernest Ratsimbazafy die Schläge mitso (gerade), mandraoky (Haken), vangofary (schräg abwärts) und vangomioriky (ähnlich einem Aufwärtshaken) und gibt an, dass weder Angriffe noch Verteidigungen festgelegt seien.

Wettkampf

Fuma beschreibt die Herausforderung: Ein Kämpfer tritt aus der Menge und provoziert einen möglichen Gegner, während Musiker den Rhythmus auf Trommeln halten, oder wenn es keine gibt, auf Blechdosen, und die Herausforderung kann sich auch in einem Kriegsruf äußern. Africanews berichtete 2016, jeder Kampf habe eine Runde und ende, wenn einer der Kämpfer die Arena verlasse. Die englische Wikipedia ergänzt unter Berufung auf Ratsimbazafy, ein Kampf ende auch, wenn ein Kämpfer ohnmächtig werde, sich nicht mehr verteidigen könne, offensichtlich schwächer oder schwer verletzt sei, und der Schiedsrichter den Sieger endgültig verkünde. Laut Reuters von 2025 hat Moraingy keine schriftlichen Regeln, die Kämpfe enden nach der Reaktion des Publikums, und die Veranstalter streben eine Formalisierung an. Die madagassische Tageszeitung L'Express beschrieb das heutige Moraingy in der Region Diana 2025 als Kampf über drei Runden zu je dreißig Sekunden mit strukturierten Turnieren, Schiedsrichtern und Sicherheitsregeln.

Heute

Die madagassische Tageszeitung L'Express berichtete 2025, Moraingy sei seit 2015 im nationalen Register des immateriellen Kulturerbes erfasst. Eine amtliche Registrierung haben wir nicht gefunden. Laut derselben Zeitung professionalisiert sich Moraingy in der Region Diana, es entstehen Ligen und Sektionen, in der Trockenzeit wird jedes Wochenende gekämpft, manchmal auf Wochenmärkten, und es finden bezahlte Veranstaltungen namens Gala Morengy statt. Die Kämpfe gehören zu Festen wie Sorogno, Somaroho oder Tsakafara, und die Preise für die Sieger sind von Geld auf Zebus, Schmuck, Telefone, Autos, Motorräder und ein Haus angewachsen. Die erste Veranstaltung Morengy Iarivo fand laut L'Express am 6. April 2025 in Antananarivo mit Kämpfern aus den Regionen Diana, Sofia, Alaotra-Mangoro, Analamanga und Haute-Matsiatra statt. Der Veranstalter Geoffrey Gaspard will Moraingy laut Reuters landesweit bekannt machen, nicht nur als traditionellen ländlichen Sport. Africanews schrieb 2016 über Kämpfe jeden Sonntag auf einem Fußballplatz in Diego Suarez, wo eine Gruppe ehemaliger Boxer einen Verein zur Förderung von Moraingy gründete.

Wissenswertes

Fuma gibt an, dass die Tradition diamanga oder dakabe aus dem Hochland von Madagaskar hauptsächlich auf Fußarbeit beruht, ähnlich wie das Réunioner moring, mit gemeinsamen Techniken wie tsipak akoho, einem Schlag mit dem Fuß. Die englische Wikipedia gibt an, dass die Teilnehmer kidabolahy oder kidabo mpanao moraingy genannt werden, im Norden fagnorolahy, und ihre Helfer magnafo. Laut Reuters kassieren die Sieger Geld von begeisterten Fans.

Häufige Fragen

Wird bei moraingy getreten?

Die Quellen widersprechen sich. Laut dem Historiker Sudel Fuma werden auf Madagaskar die Füße nicht benutzt. Die Agentur Reuters zitierte 2025 einen Zuschauer, nach dem man im Norden moraingy watsa ohne Tritte und moraingy mit Tritten unterscheidet.

Ist moraingy dasselbe wie das Réunioner moringue?

Nicht ganz. Der Historiker Sudel Fuma leitet den Namen des Réunioner moring von moraingy ab, doch im neueren moringue sind nach ihm Tritte entscheidend und Fäuste verboten. Das Réunioner moring verschwand laut Fuma in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts, und das heutige moringue entstand laut der französischen Wikipedia 1996.

Wie viele Runden hat ein Kampf?

Ein traditioneller Kampf hatte laut Africanews aus dem Jahr 2016 eine Runde und endete, wenn einer der Kämpfer die Arena verließ. In der Region Diana wird laut der Zeitung L'Express aus dem Jahr 2025 heute drei Runden zu je dreißig Sekunden mit Schiedsrichtern geboxt.

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