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Luk Dim Boon Kwun

六點半棍 · Luhk Dím Bun Gwan

Wörtlich: „Stange der sechseinhalb Punkte“

Auch bekannt als: Luk Dim Bun Gwan, Luk Dim Boon Gwun, Luk Dim Boon Kwan, Luk Dim Boon Gwan

Eine Wing-Chun-Form mit langer Stange, die der Übende nur am unteren Ende hält: sechs Techniken, wiederholt in verschiedene Richtungen, plus eine halbe.

Auf einen Blick

Kampfkünste
Waffen
FormtypTaolu
CharakterExplosiv

Über die Kata

Luk Dim Boon Kwun ist eine Wing-Chun-Form mit langer Stange. Laut kwokwingchun.com lernt man sie meist zuerst unter den Waffenformen; Kaplan Wing Chun verlangt davor sicheres Können der drei waffenlosen Formen und der Holzpuppen-Form und sagt, ohne Partner gehe es nicht richtig. Sie ist leichter zu lernen als die Messerform mit über hundert Techniken: Hier werden nur sechs Techniken in verschiedene Richtungen wiederholt. Der Übende hält die Stange stets nur am dickeren unteren Ende, ohne sie zu drehen oder den Griff zu wechseln. Meist steht er im traditionellen Pferdestand. Kaplan Wing Chun nennt den Grundstand yee jee kim yeung ma hier ungenutzt, ersetzt durch say ping ma und den T-Stand ding ma. eWingChun beschreibt den kurzen Stangenstand kwan ma, der die Beininnenseite deckt, sowie einen engen, handschützenden Griff. Die Form kräftigt Beine und Arme: Eine rund neun Fuß lange Stange ist laut kwokwingchun.com schon schwer waagerecht zu halten. eWingChun betont Unterarm- und Handgelenkskraft, wovon auch waffenlose Schläge profitieren. Die Stange vergrößert Fehler: Ein Zentimeter Abweichung ist an der Hand kaum merklich, am Stangenende aber deutlich.

Bedeutung des Namens

Die Zeichen 六點半棍 (kantonesisch, Yale-Umschrift Luhk Dím Bun Gwan) übersetzt die englische Wikipedia als „Stange der sechseinhalb Punkte“. Woher jene Hälfte kommt, erklären die Quellen auf zwei Arten. Laut Wikipedia arbeiten manche Zweige mit sieben Grundsätzen, tai, lan, dim, kit, got, wan und lau – entwurzeln, ausdehnen, erschüttern, ablenken, nach unten hacken, kreisen und fließen – und der letzte davon, lau, zählt nur als halber Punkt. Die Regeln des Wing Chun Kuen Kuit, wie sie kwokwingchun.com nach Yip Man und Moy Yat zitiert, sprechen von sechseinhalb Techniken, von denen jene Hälfte eine schnelle Abwärtsbewegung von der Brust ist; dieselbe Website beschreibt sie andernorts als Fallenlassen der Stange. Manche Linien nennen die Form einfach die lange Stange oder die Drachenstange.

Urheber und Geschichte

Die englische Wikipedia verbindet die Ankunft der Stange im Wing Chun mit zwei Männern. Wong Wah-bo verdiente seinen Lebensunterhalt als Sänger der Operntruppe der Roten Boote, und Leung Yee-tai lehrte ihn den Kampf mit der Stange der sechseinhalb Punkte im Tausch gegen die waffenlose Kunst des Wing Chun. Wong passte laut Wikipedia die Stangentechnik dann den Grundsätzen des Wing Chun an. Leung Yee-tai übernahm sie laut derselben Enzyklopädie vom Mönch Chi Sin, der in ihm einen Nachfolger der südlichen Shaolin-Kunst der langen Stange sah. Kwokwingchun.com ist vorsichtiger: Die Form gelangte „wahrscheinlich“ über Menschen ins System, die auf Flussbooten lebten und übten, wo lange Stangen üblich waren, und Leung Yee-tai kannte angeblich eine Stangenform aus einer anderen Kampfkunst und vereinfachte sie zusammen mit Wong. Wann das geschah, konnten wir in den Quellen nicht belegen.

Unterschiede zwischen den Stilen

Laut eWingChun teilen die Versionen der Yip-Man-Linie einen gemeinsamen Bewegungskern, doch Reihenfolge und Technikbenennung unterscheiden sich je Schule – von üblichen Wing-Chun-Kuen-Begriffen bis zu Begriffen aus Jee Shim Weng Chun. Die Version Sum Nung, von Yuen Kay-shan, ist eine kurze Punktfolge mit minimaler Wiederholung; die englische Wikipedia schreibt der Linie Yuen Kay-shan besondere Betonung der Stange der sechseinhalb Punkte zu. Die Stangenformen des Jee Shim Weng Chun stammen laut eWingChun von San Kams Lehre der Roten Dschunken, übernommen von Fung Siu-ching, und sind bei ähnlicher Punktzahl oft viel länger. Wikipedia schreibt, die Stangenform des Weng Chun beginne mit hei gung, das Raumkontrolle durch federnde Beinarbeit lehrt. Der Nanyang-Zweig Ban Chung Cho Ga hat eine Form Luk Dim Pun Gwan Sap Sam Cheong (六点半棍十三枪), die Stange der sechseinhalb Punkte plus dreizehn Speere.

Bunkai – Anwendungen

eWingChun beschreibt die Stange als Waffe, die einen Angriff eher abfängt, mit Winkeln wie ein Fechter arbeitet und die Bewegung minimal hält. Der Schlag kommt kurz und explosiv und erschüttert das Ziel, Körper oder Waffe. Kwokwingchun.com vermutet, die Stange diene dem ersten Zusammenstoß, die Messer dem Nahkampf, weshalb auch jene Hälfte, das Fallenlassen, wichtig sei. Kaplan Wing Chun fügt chi kwun hinzu, klebende Stange: an der Gegnerwaffe gehalten, Angriff aufs Handgelenk, bis er loslässt.

Wichtiger Tipp

Stoßen Sie mit der Stange, wo immer möglich, statt mit ihrer ganzen Länge zu schlagen: Laut eWingChun verrät ein Schlag mit dem Schaft der Stange dem Gegner die Bewegung, erlaubt ihm, die Distanz einzuschätzen, und bietet ihm einen Konter.

Weitere Quellen zum Thema (9)
  1. en.wikipedia.org/wiki/Wing_Chun
  2. en.wikipedia.org/wiki/Leung_Yee-tai
  3. en.wikipedia.org/wiki/Wong_Wah-bo
  4. en.wikipedia.org/wiki/Weng_Chun
  5. en.wikipedia.org/wiki/Branches_of_Wing_Chun
  6. kwokwingchun.com/about-wing-chun/the-wing-chun-forms/pole-form
  7. ewingchun.com/wiki/luk-dim-boon-gwan
  8. kaplanwingchun.com/EN/luk-dim-book-kwun
  9. wingchunkungfubendigo.com.au/wing-chun-weapons