Biu Jee
鏢指 · biu1 zi2
Wörtlich: „Schießende (stoßende) Finger“
Auch bekannt als: Biu Ji, Biu Gee, Bil Jee, Biu Tze
Die dritte und letzte waffenlose Form im Wing Chun: Nottechniken für den Moment, in dem Stand und Mittellinie zusammenbrechen – Ellbogen aus der Nähe, Fingerstöße, Wirbelsäulendrehung.
Auf einen Blick
Über die Kata
Biu Jee, wörtlich „schießende“ oder „stoßende Finger“, ist die dritte und letzte waffenlose Form im Wing Chun. Während Siu Nim Tau und Chum Kiu Struktur aufbauen und die Mittellinie halten, geht Biu Jee laut der englischen Wikipedia von der Situation aus, in der beides zusammenbricht – etwa wenn der Übende schwer verletzt ist. Sie enthält Techniken für sehr kurze und sehr lange Distanz, tiefe Tritte und Fußfeger, Ellbogenschläge aus der Nähe und Fingerstöße gegen den Hals. Die Form bricht bewusst mit bisher geltenden Regeln. Wingchunjourney.co.uk weist darauf hin, dass sich in den ersten beiden Formen die Hände nicht kreuzen, weil der Gegner sonst beide zugleich bedrängen und einsperren könnte; bei Biu Jee wird in der Technik Jaang Dai Biu Sau dagegen eine Hand bewusst unter den Ellbogen der anderen gelegt. Dieselbe Quelle hält die Wirbelsäulendrehung für die wichtigste Neuerung der Form und ergänzt, dass ein kreisförmiger Schlag manchmal besser sei als eine gerade Linie. Es gibt das Sprichwort „Biu Jee geht nicht zur Tür hinaus“. Wikipedia nennt zwei Deutungen: Die Form soll geheim bleiben, oder sie soll nicht eingesetzt werden, wenn es anders geht. Traditionell wurde sie erst nach langem Training nur vertrauenswürdigen Schülern gelehrt. Wie viele Bewegungen und Abschnitte sie hat, konnten wir anhand der Quellen nicht ermitteln.
Bedeutung des Namens
Die englische Wikipedia schreibt den Namen mit den Zeichen 鏢指 (vereinfacht 镖指) und übersetzt ihn als „darting fingers“, ihr Begriffsglossar wörtlich als „dart pointing“. Wingchunjourney.co.uk und wingchunhalesowen.co.uk verwenden „thrusting fingers“ und weisen selbst darauf hin, dass die Form nicht nur aus Fingerstößen besteht. Der neuseeländische Wing-Tsun-Verband führt im Seitentitel die Zeichen 標指. In lateinischer Schrift wird der Name auch Biu Ji, Biu Gee, Bil Jee oder Biu Tze geschrieben. Auch die Jyutping-Umschrift stimmt zwischen den Wikipedia-Seiten nicht überein: Der Wing-Chun-Artikel nennt biu1 ji2, das Glossar biu1 zi2.
Urheber und Geschichte
Laut der englischen Wikipedia lernte Yuen Kay-shan die offenen Wing-Chun-Abläufe von Fok Bo-chuen und ordnete sie zu drei Formen: Siu Lien Tau, Chum Kiu und Biu Jee. Es handelt sich um seinen eigenen Zweig; wie die Form in der Linie von Yip Man entstand, konnten wir anhand der Quellen nicht belegen. Wingchunhalesowen.co.uk, die die Form über Yip Chun lehrt, erklärt ihre späte Stellung im Lehrplan damit, dass sie bewusst mit früheren Grundsätzen bricht und solide Grundlagen sowie reife Kontrolle beim Üben zu zweit voraussetzt.
Unterschiede zwischen den Stilen
Wikipedia beschreibt, dass die Wing-Chun-Zweige die Form unterschiedlich verstehen: manche als „Turbolader“ des ganzen Systems, andere als Boxenstopp-Set, das nie zum Einsatz kommen sollte, wieder andere als Sammlung tötender und verstümmelnder Techniken, mit denen man vorsichtig umgehen muss. Auch der Name unterscheidet sich: In der Linie von Yip Chun wird Biu Tze geschrieben, twcga.wordpress.com verwendet Biu Gee.
Bunkai – Anwendungen
Wingchunjourney.co.uk erklärt Kop Jarn, den Ellbogenschlag nach unten, auf zwei Arten: als Angriff auf Distanz, wenn die Hand versagt, und als Deckung, wenn die Hände eingeklemmt sind. Twcga.wordpress.com schreibt, die Form lehre Befreiungen bei Bedrängnis, Festklemmen oder Sturz, sowie Ellbogen nach unten, wenn der Gegner zu nah ist oder die Hände fehlen. Sap Dai Seung, „Heben von unten nach oben“, beginnt in Vorbeuge mit locker hängenden Armen, aus der die Arme über den Kopf schnellen, während man sich aufrichtet.