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Fiore dei Liberi

Friaulischer Fechtmeister (gestorben nach 1409), Autor des Traktats Fior di Battaglia, des ältesten erhaltenen italienischen Fechthandbuchs.

Auf einen Blick

Geburtsdatumum 1350
HerkunftslandItalienItalien
BerufSoldat

Biografie

Fiore dei Liberi war ein friaulischer Fechtmeister der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert und Autor des Traktats Fior di Battaglia, des ältesten erhaltenen italienischen Fechthandbuchs. Er wurde in Cividale del Friuli im Patriarchat Aquileia als Sohn des Benedetto aus dem Geschlecht der Liberi von Premariacco geboren. Weder Geburts- noch Todesjahr haben wir in den Quellen gefunden, die Schätzung um 1350 beruht auf seinen eigenen Worten, dass er sich über vierzig Jahre der Kunst gewidmet habe.

Laut dem Prolog seines Traktats lernte er bei vielen Meistern aus Italien und den deutschen Landen, namentlich bei Johan, genannt Suveno, einem Schüler des Nicholaie de Toblem. Er schreibt auch, er habe fünf Duelle mit scharfen Schwertern nur im gesteppten Wams und in Handschuhen ausgetragen und ohne Verletzung gewonnen, eine unabhängige Aufzeichnung darüber gebe es jedoch nicht.

Archivalien aus Udine nennen ihn 1383 als Verwalter der städtischen Waffen, und 1384 sollte er für die Stadt eine Söldnertruppe anwerben. 1395 bereitete er in Padua Galeazzo Gonzaga auf ein Duell mit Marschall Boucicaut vor, und 1399 in Pavia Giovannino da Baggio auf ein Duell vor Gian Galeazzo Visconti. Die Handschrift Pisani Dossi ist auf den 10. Februar 1409 datiert.

Der Traktat beschreibt das Ringen, den Kampf mit dem Dolch, mit dem Schwert in einer Hand und in beiden Händen, den Kampf in Rüstung, mit der Axt, mit der Lanze und zu Pferd. Vier Handschriften sind erhalten, unter anderem in der Morgan Library und im Getty Museum.

Frühe Jahre

Fiore wurde in Cividale del Friuli im Patriarchat Aquileia geboren, das genaue Jahr nennt Wiktenauer nicht. Die Schätzung um 1350 beruht auf seiner eigenen Angabe von mehr als vierzig Jahren Praxis vor dem Jahr 1409. Sein Vater war laut dem Prolog der Handschrift Pisani Dossi Benedetto aus dem Geschlecht der Liberi von Premariacco. Der Name Liberi könnte auf die Reichsunmittelbarkeit der Familie hindeuten, ein Zusammenhang mit Cristallo dei Liberi von 1110 ist aber nur eine Vermutung. Im Prolog schreibt er, er habe von Jugend an einen natürlichen Hang zum Kampf gehabt, und laut dem Verein AEMMA ging er als junger Mann zur Ausbildung nach Italien und in die deutschen Lande.

Ausbildung und Lehrer

Laut dem Prolog übte er bei unzähligen Meistern aus Italien und den deutschen Landen. Namentlich nennt er nur Johan, genannt Suveno, einen Schüler des Nicholaie de Toblem, über beide ist sehr wenig bekannt. Er schreibt, er widme sich der Kunst seit mehr als vierzig Jahren. Er behauptet auch, er habe fünf Duelle mit scharfen Schwertern nur im gesteppten Wams und in Lederhandschuhen ausgetragen und ohne Verletzung gewonnen. Sein Schüler Piero Paolo del Verde trat laut Wiktenauer wahrscheinlich 1381 in Perugia gegen Peter Kornwald an.

Beitrag und Neuerungen

Am 3. August 1383 erhielt er das Aufenthaltsrecht in Udine, und am 30. September wurde er mit der Verwaltung der städtischen Waffen einschließlich der Artillerie betraut. Im Februar 1384 sollte er für die Stadt eine Söldnertruppe anwerben, und am 23. Mai 1384 legte er den Eid als Beamter eines der Stadtviertel ab. 1395 bereitete er in Padua Galeazzo Gonzaga auf ein Duell mit Marschall Boucicaut vor, das abgebrochen wurde. 1399 bereitete er in Pavia Giovannino da Baggio auf ein Duell mit dem Knappen Siran am 24. Juni vor Gian Galeazzo Visconti vor. Den Traktat Fior di Battaglia schrieb er auf Italienisch und Latein, die Handschrift Pisani Dossi ist auf den 10. Februar 1409 datiert und Niccolò III. d'Este gewidmet.

Legenden und belegte Fakten

Eine diplomatische oder Kommandotätigkeit haben wir in den Quellen nicht gefunden, die Archivalien belegen laut Wiktenauer nur die Verwaltung der städtischen Waffen und die Anwerbung einer Truppe in Udine in den Jahren 1383 und 1384. Die fünf siegreichen Duelle kennen wir nur aus seinem eigenen Prolog, eine unabhängige zeitgenössische Aufzeichnung haben wir nicht gefunden. C. A. Blengini di Torricella behauptet unter Verweis auf Novati, Fiore sei 1418 und 1420 in Paris gewesen, Wiktenauer bezeichnet das als nicht überprüft. Umstritten ist auch die Datierung der Pariser Handschrift, Wiktenauer legt sie in die Zehner- und Zwanzigerjahre des 15. Jahrhunderts.

Vermächtnis

Vier Handschriften sind erhalten, in der Morgan Library in New York, im Getty Museum, in der Privatsammlung Pisani Dossi und in Paris. Die Morgan-Handschrift M.383 hat heute 19 Folien und 124 Federzeichnungen. Die Familie d'Este besaß im 15. Jahrhundert mindestens drei Handschriften Fiores, und zwei davon gingen vor 1436 verloren. In Mitteleuropa hatte er laut Wiktenauer wenig Einfluss, es setzte sich dort die Tradition Liechtenauers durch. Die Werke von Philippo di Vadi und Ludwig VI. von Eyb ähneln dem Fiores sehr, ob es sich um direkten Einfluss handelt, lässt sich aber nicht unterscheiden. Zu seinen Schülern gehörten Piero Paolo del Verde, Niccolò Unricilino, Galeazzo Cattaneo dei Grumelli, Lancillotto Beccaria, Giovannino da Baggio und Azzone di Castelbarco.

Assoziierte Kampfkünste

Fechten des Fiore dei Liberi (Fior di Battaglia)Gründer→

Kampfkunst nach den Handschriften des Fiore dei Liberi von etwa 1400 bis 1410. Ringen, Dolch, Schwert, Rüstung, Axt, Speer und Kampf zu Pferd im ersten bekannten italienischen Fechttext.

Zitate

Ich habe sie gut vierzig Jahre lang und länger studiert.

o studiado ben XL anni o più