Camillo Agrippa
Italienischer Renaissance-Fechter und Ingenieur aus Mailand, Autor des Traktats Trattato di scientia d'arme (Rom 1553), der sich auf den Stich mit der Spitze konzentriert.
Auf einen Blick
ItalienBiografie
Camillo Agrippa war ein italienischer Renaissance-Fechter, Ingenieur und Mathematiker, Autor des Traktats Trattato di scientia d'arme von 1553. Er wurde in Mailand geboren, sein Geburtsjahr konnten wir nicht genau belegen, denn die englische Wikipedia nennt 1520 und Wiktenauer die Zehnerjahre des 16. Jahrhunderts. Er starb in Rom, laut Dizionario Biografico degli Italiani wahrscheinlich kurz nach 1595, laut der englischen Wikipedia am 1. Januar 1600.
Nach Rom kam er im Oktober 1535. Wiktenauer zufolge war er offenbar kein professioneller Fechtmeister, und seinen Lehrer haben wir in den Quellen nicht gefunden.
Der Traktat erschien 1553 in Rom beim Drucker Antonio Blado und ist Cosimo de' Medici gewidmet. Laut Dizionario Biografico konzentriert er sich im Gegensatz zu Marozzo auf die Spitze statt auf die Schneide und ermöglicht schnelle Ausfälle, und der Ausfall und das Fondo tauchen erstmals bei Agrippa auf. Die englische Wikipedia schreibt ihm auch die Vereinfachung von Marozzos Auslagen auf vier zu, was wir in einer besseren Quelle nicht überprüft haben.
Außerhalb des Fechtens befasste er sich mit Technik. 1583 veröffentlichte er eine Schrift über die Versetzung des vatikanischen Obelisken auf den Petersplatz, von 1574 bis 1578 baute er eine Wasseranlage auf dem Pincio-Hügel und schrieb über Winde, Heeresaufstellung und Schifffahrt. Die Stiche des Traktats wurden früher Michelangelo zugeschrieben, nach dem Katalog der Morgan Library ist das jedoch wahrscheinlich ein Irrtum.
Frühe Jahre
Camillo Agrippa wurde in Mailand geboren, was das Dizionario Biografico degli Italiani bestätigt, und auf dem Titel des Traktats von 1553 bezeichnet er sich selbst als Milanese. Das Geburtsjahr kennen wir nicht genau. Das Dizionario Biografico nennt kein Datum, Wiktenauer schreibt mit Fragezeichen von den Zehnerjahren des 16. Jahrhunderts, und die englische Wikipedia nennt das Jahr 1520. Nach Rom kam er im Oktober 1535, was Wiktenauer auf den 26. Oktober präzisiert.
Ausbildung und Lehrer
Wiktenauer gibt an, Agrippa sei offenbar kein professioneller Fechtmeister gewesen, und nennt keinen Fechtlehrer von ihm. Auch wir haben seinen Lehrer in den Quellen nicht gefunden. Laut Wiktenauer kannte er in Rom Kardinal Alessandro Farnese und Michelangelo, die Quelle dieser Behauptung nennt es jedoch nicht. Das Dizionario Biografico merkt nur an, dass zur Zeit seiner Ankunft in Rom Antonio da Sangallo und Michelangelo an der Versetzung des Obelisken arbeiteten.
Beitrag und Neuerungen
Trattato di scientia d'arme con un dialogo di filosofia erschien 1553 in Rom bei Antonio Blado, dem apostolischen Drucker, und ist laut Dizionario Biografico Cosimo de' Medici gewidmet. Laut demselben Wörterbuch konzentriert sich der Traktat im Gegensatz zu Marozzo auf die Spitze des Schwertes statt auf die Schneide und ermöglicht schnelle Ausfälle auf den inneren Linien. Er nennt die Stellung in quarto und den Ausfall und das Fondo, die erstmals eben bei Agrippa auftauchen. In Kapitel XV schreibt er, er werde sich über das Zweihandschwert nicht ausbreiten, weil die Grundsätze seiner durch die Luft geführten Hiebe unsicher seien. Die englische Wikipedia schreibt ihm die Vereinfachung von Marozzos elf Auslagen auf vier zu, was wir im Dizionario Biografico und im Traktat nicht überprüft haben.
Legenden und belegte Fakten
Das Todesdatum 1. Januar 1600 nennen die englische Wikipedia und Mathew Lyons in History Today. Das Dizionario Biografico schreibt dagegen von einem Tod wahrscheinlich kurz nach 1595, Wiktenauer nennt das Jahr 1595 und der Katalog der Morgan Library 1595 mit Fragezeichen. Die Stiche im Traktat wurden früher Michelangelo zugeschrieben, was der Katalog der Morgan Library unter Verweis auf Brunet und Mortimer für wahrscheinlich falsch hält. Moderne Kunsthistoriker suchen den Stecher laut der englischen Wikipedia im Umkreis von Marcantonio Raimondi.
Vermächtnis
1583 veröffentlichte er in Rom den Trattato di trasportar la guglia in su la piazza di S. Pietro und schlug darin vor, den vatikanischen Obelisken aufrecht zu versetzen, ohne ihn hinzulegen und wieder aufzurichten. Von 1574 bis 1578 baute er nach einer Studie von L. Lombardi eine Wasseranlage auf dem Pincio-Hügel. Das Dizionario Biografico nennt auch die Schriften Modo di comporre il moto della sfera (1575), Dialogo sopra la generazione de' venti (1584), Dialogo del modo di mettere in battaglia (1585), Nuove inventioni sopra il modo di navigare (1595) und La virtù (1598). Als spätere Meister, die an ihn angeknüpft haben könnten, nennt Wiktenauer Girolamo Lucino, Camillo Palladini, Henry de Sainct Didier und Jerónimo Sánchez de Carranza, ein direkter Einfluss ist aber unsicher.
Werke und Quellen
Zitate
Ich hatte vorgehabt, noch zu beschreiben, wie man das Zweihandschwert führt, kam aber nach besserer Überlegung zu dem Schluss, dass alles, was sich darüber sagen ließe, vergeblich wäre.
Havevo disignato dire ancora come si adoperasse il Spadone: ma considerato meglio che quanto si potesse dire sarebbe uano