Kodokan Goshin-jutsu
講道館護身術 · Kodokan goshinjutsu
Wörtlich: „Selbstverteidigungsfertigkeiten des Kodokan“
Auch bekannt als: Kodokan Goshin Jutsu, Kodokan goshinjutsu, Goshin Jutsu no Kata, Goshinjutsu-no-kata
Judo-Selbstverteidigungskata von 1956: 21 Abwehren gegen unbewaffnete Angriffe sowie Messer-, Stock- und Pistolenangriffe. Anders als die aeltere Kime no kata ohne Schwertangriffe.
Auf einen Blick
Über die Kata
Der Kodokan stellte die Kata Kodokan goshinjutsu 1956 auf, und bis zur Einfuehrung der Kodomo no kata war sie seine neueste Kata. Laut der englischen Wikipedia ist sie gegenueber der Kime no kata ein moderneres Selbstverteidigungsset: statt Schwertangriffen wehrt sich tori hier gegen Stock und Pistole. Dieselbe Wikipedia weist darauf hin, dass die Hebel kote hineri und kote gaeshi aus dieser Kata zu den bekannten Aikido-Techniken gehoeren, und judoinfo.com sieht darin den Einfluss von Kenji Tomiki, einem Schueler Kanos, der Aikido beim Gruender selbst studierte. Die Kata umfasst 21 Techniken in zwei unbewaffneten und drei bewaffneten Teilen, die judoinfo.com toshu no bu und buki no bu nennt. Die ersten sieben Abwehren gelten Griffen aus der Naehe, die naechsten fuenf Schlaegen und Tritten aus der Distanz, danach folgen drei Messerangriffe, drei Stockangriffe und drei Pistolenangriffe. Die meisten Abwehren, die tori in der Kata einsetzt, sind im Wettkampf shiai und im Randori verboten und lassen sich daher nur in der Kata ueben. Judoinfo.com betont dennoch, dass alle dem Prinzip des Judo als Weg der Sanftheit und des Nachgebens entsprechen. Dieselbe Quelle beschreibt, dass uke mit laengerer Praxis schneller angreift und toris Reaktionen sich schaerfen.
Bedeutung des Namens
Die englische Wikipedia uebersetzt den Namen 講道館護身術 als Selbstverteidigungsfertigkeiten des Kodokan. Die Techniknamen beschreiben den Angriff: ryote dori der Griff mit beiden Haenden, ushiro jime die Wuergung von hinten, kakae dori die Umarmung von hinten, tsukkake der Messerstich, furioroshi der Stockschlag von oben, haimen zuke die Pistole am Ruecken.
Urheber und Geschichte
Laut der englischen Wikipedia wurde Kenji Tomiki 1952 in das Komitee des Kodokan berufen, das goshinjutsu erarbeiten sollte. Aikidosangenkai.org gibt an, dass das Komitee etwa drei Jahre arbeitete und Tomiki darin eine fuehrende Rolle spielte; laut derselben Quelle zeigten Tomiki und Tadao Otaki die erste oeffentliche Vorfuehrung beim Neujahrs-Kagami biraki 1956. 1958 veroeffentlichte Tomiki das Buch Kodokan Goshin-jutsu, das Wikipedia als das wichtigste Buch zu dieser Kata bezeichnet.
Bunkai – Anwendungen
Judoinfo.com beschreibt, wie tori jeden Angriff loest. Gegen den beidhaendigen Griff (ryote dori) loest tori den Griff gegen den Daumen des Angreifers, schlaegt mit der Handkante an die Schlaefe und endet mit einem Ellbogen-Handgelenk-Hebel. Bei der Wuergung von hinten (ushiro jime) zieht er das Kinn ein, zieht den Arm vom Hals, taucht darunter durch und endet mit te gatame. Ein schraeger Kopfschlag (naname uchi) und ein Stockschwung von oben (furiage) enden beide mit osotogari, ein direkter Gesichtsschlag (gammen tsuki) mit einem Schlag auf die freien Rippen und hadaka jime. Gegen einen Messerstich vorwaerts (choku zuki) nutzt tori waki gatame, gegen einen Stich von oben (naname zuki) den Wurf kote gaeshi, ude garame und das Entwaffnen. Eine Pistole am Bauch (shomen zuke) wird von oben gegriffen und in die Achsel des Angreifers gedreht; bei einer Pistole an der Hueste (koshi gamae) bleibt der Finger des Angreifers am Abzug und bricht.
Die schwierigste Stelle
Laut judoinfo.com ist die Absicht anders als beim gewoehnlichen Judotraining: In der Selbstverteidigungskata wollen sich beide Partner verletzen. Die Ausfuehrung ist kontrolliert, damit uke nicht verletzt wird, doch die Abwehren lassen sich leicht so anpassen, dass sie den Angreifer ausschalten. Die Quelle zeigt das an der Abwehr gegen einen Seitwaertstritt (yoko geri): In der Kata zieht tori uke auf den Ruecken und geht ins linke Knie, real liesse er das rechte Knie hinter dem Angreifer, damit dieser darauf faellt. Bei der ersten Messerabwehr (tsukkake) verbirgt der Angreifer die Waffe vor toris Blick, und laut derselben Quelle laesst sich die Kata schliesslich auch mit echten Waffen ueben.
Im Wettkampf
Bei den Kata-Weltmeisterschaften 2021 in Lissabon war Kodokan goshinjutsu eine von fuenf Wettkampfkatas neben Nage no kata, Katame no kata, Ju no kata und Kime no kata. Gewonnen haben sie die Japaner Koo Ikeda und Fumitaka Sakamaki vor dem franzoesischen Paar Claude Jaume und Brice Benard und den Portugiesen Pedro Goncalves und Paulo Moreira.
Wettkampfeinstufung
- Judo IJF (Internationaler Judo-Verband) – Judo — Offizielle Kata-Liste ↗
In Prüfungsordnungen
- IJF-Ordnung (Dan-Grade): 4. Dan
Wichtiger Tipp
Bei der Abwehr einer an den Bauch gehaltenen Pistole (shomen zuke) hebt tori laut judoinfo.com die Haende langsam, beobachtet die Augen des Angreifers und handelt erst im richtigen Moment; liegt die Pistole am Ruecken (haimen zuke), schaut er sich zuerst um, welchen Arm der Angreifer hebt.