Schielhau
Schielhau
Ein täuschender Meisterhieb, der zunächst wie ein gerader Schnitt aussieht, sich aber im letzten Moment in einen Stich oder einen Schnitt mit der kurzen Schneide verwandelt, typischerweise als Antwort auf die Pflug-Hut.
Auf einen Blick
Definition
Schielhau, wörtlich der schielende oder schiele Hieb, ist danach benannt, dass der ausführende Fechter scheinbar woandershin blickt oder zielt, als wo der Hieb tatsächlich landet, wodurch der Gegner über das wahre Ziel und den Angriffswinkel getäuscht wird. Technisch wird er als Hieb von der rechten Seite ausgeführt, der sich im Moment des Klingenkontakts um seine Achse dreht, sodass er statt mit der langen Schneide mit der kurzen Schneide des Schwertes trifft oder direkt in einen Stich ins Gesicht des Gegners übergeht. Klassisch wird der Schielhau als Antwort auf die Pflug-Hut gelehrt, da seine drehende Bewegung den aus dieser Position gerichteten Ort umgehen und den Gegner treffen kann, bevor dieser stoßen kann. Die Ausführung des Schielhaus erfordert erhebliche Sensibilität im Handgelenk und ein präzises Wahrnehmen des Drucks zwischen den Klingen, da die Entscheidung, den Hieb zu vollenden oder in den Stich überzugehen, erst danach getroffen wird, wie die Klinge des Gegners auf diesen Druck reagiert. In überlieferten Fechtbüchern wird der Schielhau oft mit einer Art umgekehrtem Zornhau verglichen, da er eine ähnliche Angriffslinie teilt, sich aber auf Täuschung und variable Abschlüsse statt auf reine Kraft stützt.
Verwandte Begriffe
Eine der vier Grundhuten (Vier Leger) im historischen deutschen Langschwertfechten, die an das Halten eines Pfluges erinnert.
ZornhauZornhauEiner der fünf Meisterhiebe der deutschen Fechtschule, ein direkter diagonaler Hieb aus der rechten Schulter, der typischerweise die Vom-Tag-Hut überwindet und bricht.
KrumphauKrumphauEiner der fünf deutschen Meisterhiebe, mit gekreuzten Händen seitlich gegen die Handgelenke des Gegners geführt, dient vor allem als Konter gegen die Ochs-Hut.
ScheitelhauScheitelhauDer letzte der fünf Meisterhiebe, ein langer, gerader Hieb von oben mit ausgestreckten Armen auf Kopf oder Hände des Gegners, traditionell zur Überwindung der Alber-Hut bestimmt.
