Shotel
ሾተል · shotel
Äthiopisches sichelförmig gebogenes Schwert mit Griff aus Nashornhorn ohne Parierstange, mit dem sich ein Reiter aus dem Sattel haken ließ.
Auf einen Blick
Über die Waffe
Das Shotel ist ein gebogenes Schwert aus dem Norden Äthiopiens und dem Süden bis zur Mitte Eritreas, das von Amharen, Tigrayern und anderen Bergvölkern verwendet wurde; auf Amharisch schreibt man es ሾተል. Unter Kaiser Amda Seyon I. gab es elitäre Shotel-Einheiten namens Axurarat Shotelai, Teil der Chewa-Regimenter. In Süd-Shewa wurde das Shotel allmählich durch Schwerter mit europäischen Säbelklingen namens gurade ersetzt. Eine genauere Datierung der Entstehung konnten wir nicht belegen. Die Klinge ist flach und gebogen, mit rautenförmigem Querschnitt und meist zweischneidig. Die Gesamtlänge liegt zwischen 76 und 102 cm, die Klinge misst im Schnitt 40 bis 64 cm, und das Schwert wiegt 0,9 bis 1,8 kg. Fast immer hat es einen Griff ohne Parierstange aus drei Stücken Nashornhorn, es gibt aber auch Griffe aus Holz und Bakelit. Mit dem Shotel wurden verheerende Hiebe geführt, vor allem gegen Reiter; man konnte damit einen Kämpfer vom Pferd haken und reißen oder um einen Schild herumgreifen und den Gegner haken. Das traditionelle Fechten umfasste viele Sprünge und Ausfälle. Die Kämpfer trugen runde Schilde am Unterarm befestigt und hatten die andere Hand frei, um das Pferd mit einem einzigen Zügel zu lenken, oft ohne Gebiss. Der europäische Besucher Remedius Prutky bezeichnete mit dem Wort Shotel oft ein Schlachtmesser. Außerhalb des Kampfes war das Shotel auch ein Statuszeichen und soll den Quellen zufolge Frauen angezogen haben.