Handschrift
Liber de Arte Dimicatoria (MS I.33)
Originaltitel: Liber de Arte Dimicatoria
1270–1330DeutschlandLehrbuch
Älteste erhaltene europäische Fechthandschrift, lateinisches Bildlehrbuch zum Kampf mit Schwert und Buckler aus Franken, Ende 13. oder Anfang 14. Jh., heute in den Royal Armouries in Leeds.
Liber de Arte Dimicatoria, nach der Signatur als MS I.33 bekannt und auch Walpurgis Fechtbuch oder Tower Fechtbuch genannt, ist die älteste erhaltene europäische Handschrift über das Fechten. Sie entstand in Franken und ist in mittelalterlichem Latein verfasst, in das deutsche Fechtbegriffe eingeflochten sind. Die Datierung ist umstritten, die Schätzungen reichen vom Ende des 13. Jahrhunderts bis in die 1320er Jahre. Seit 1996 befindet sie sich in den Royal Armouries in Leeds. Erhalten sind 32 Pergamentblätter im Format 230 × 310 mm in fünf Lagen, mindestens acht Blätter fehlen. Auf jeder Seite eines Blattes stehen zwei Illustrationen mit Text darüber und darunter. Inhalt ist der Kampf mit Schwert und Buckler, einem kleinen runden Schild, der in der Faust gehalten wird. Der Unterricht beruht auf sieben Huten, genannt custodiae, und auf den Arten, sie zu überwinden. Auf den Abbildungen unterrichtet ein Priester seinen Schüler, auf den Blättern 31v–32r erscheint eine Figur namens Walpurgis, nach der die Handschrift einen ihrer Beinamen erhielt. Die Handschrift schrieben drei Schreiber, und bis zu siebzehn Illuminatoren haben sie vielleicht ausgeschmückt. Die Autorschaft wird einem Priester namens Lutegerus zugeschrieben, die Zuschreibung bleibt jedoch unsicher. Bis zum 16. Jahrhundert gehörte sie Mönchen, in den Jahren 1552–1553 brachte Johannes Herbart aus Würzburg sie aus dem Kloster fort. Erstmals schriftlich erwähnt hat sie 1579 Heinrich von Gunterrodt. Bis 1945 befand sie sich im Besitz der Herzöge von Sachsen-Gotha, am 27. März 1950 wurde sie bei Sotheby's in London verkauft, und danach bewahrten die Royal Armouries sie im Tower of London auf. Moderne Editionen und Übersetzungen erschienen auf Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch.
Kampfkünste im Werk
Entstehung
Bis zum 16. Jahrhundert gehörte die Handschrift Mönchen. Schon im 15. Jahrhundert schrieb jemand auf ihr erstes Blatt ein Distichon, das Papst Pius II. zugeschrieben wird. In den Jahren 1552–1553 brachte Johannes Herbart aus Würzburg sie aus dem Kloster fort, sein Name ist auf Blatt 7r eingetragen, und er wirkte später als Fechter der Herzöge von Sachsen-Gotha. Im Jahr 1579 erwähnte Heinrich von Gunterrodt die Handschrift als Erster schriftlich, er hat sich davon möglicherweise eine heute unbekannte Abschrift angefertigt. Eine Passage von Blatt 26r wurde im 17. Jahrhundert in die Handschrift Cod.Guelf.125.16.Extrav. abgeschrieben. Bis 1945 war sie in den Sammlungen der Herzöge von Sachsen-Gotha in Gotha unter der Signatur Membr.I 115 aufbewahrt. Wo sie sich in den Jahren 1945–1950 befand, konnten wir nicht belegen. Nach der Auktion bei Sotheby's in London am 27. März 1950 bewahrten die Royal Armouries sie im Tower of London auf, 1996 zog die Handschrift nach Leeds um. Sie trägt auch die älteren Bezeichnungen No.14.E.iii und No.20 FECHT 1.
Urheberschaft
Der Autor der Handschrift ist nicht sicher bekannt. Traditionell wird das Werk einer Gestalt namens Lutegerus (Clericus Lutegerus) zugeschrieben, in der man vielleicht einen Weltpriester Ludger oder Liutger sieht, nach anderen Deutungen ist es anonym. Auch die Datierung ist strittig. Hils datierte die Handschrift 1985 auf den Beginn des 14. Jahrhunderts, Anglo 1988 auf das Ende des 13., die neuere Forschung einigt sich auf 1320–1330. Die weiteste Spanne der Schätzungen reicht von 1270 bis 1330. Umstritten ist ebenso der Ursprung der Fechtlehre selbst. Dawson erwog 2009 einen byzantinischen Einfluss, Hester verteidigte 2012 einen heimischen deutschen Ursprung und bezweifelte, dass die Handschrift vollständig überliefert ist.
Ausgaben und Übersetzungen
Moderne Editionen der Handschrift bereitete vor allem Forgeng vor. Seine englische Ausgabe The Medieval Art of Swordsmanship erschien 2003 bei Chivalry Bookshelf, 2012 folgte The Illuminated Fightbook bei Extraordinary Editions und 2018 die Ausgabe The Medieval Art of Swordsmanship: Royal Armouries MS I.33 direkt bei den Royal Armouries. Mit Forgengs Namen ist auch die deutsche Ausgabe Das Tower-Fechtbuch verbunden, die 2021 bei Wissenschaftliche Buchgesellschaft in Darmstadt erschien. Die französische Ausgabe Le Livre de l'art du Combat bereiteten Cinato und Surprenant vor, sie erschien 2009 bei CNRS Editions. Im Jahr 2012 erschien auch eine italienische Edition, an der Morini und Rudilosso beteiligt waren, ihren Titel und Verlag konnten wir nicht belegen.
Personen und Kampfkünste
- Lutegerus (Clericus Lutegerus)Autor
Angaben
- Form
- Handschrift
- Aufbewahrungsort
- Royal Armouries, Leeds
- Signatur
- MS I.33
- Blätter
- 32
- Material
- Pergament
Ausgaben
- 2003 · EN · The Medieval Art of Swordsmanship · Chivalry Bookshelf · Übersetzung
- 2009 · FR · Le Livre de l'art du Combat · CNRS Editions · Übersetzung
- 2012 · EN · The Illuminated Fightbook · Extraordinary Editions · Übersetzung
- 2018 · EN · The Medieval Art of Swordsmanship: Royal Armouries MS I.33 · Royal Armouries · Übersetzung
- 2021 · DE · Das Tower-Fechtbuch · Wissenschaftliche Buchgesellschaft · Übersetzung
Weitere Titel
- Walpurgis Fechtbuch (Alternativtitel, GB)
- Tower Fechtbuch (Alternativtitel, GB)
- Lutegerus Fechtbuch (Alternativtitel, DE)